Ich fahre CityNightLine
Seit Jahren fahre ich mit dem CityNightLine. Seit der ersten Fahrt in einem kalten Winter vor etlichen Jahren, habe ich mich in diese Art von Zugfahren verliebt. Am Abend in den Zug einsteigen, am morgen wieder aussteigen. Und in der Regel ausgeruht
. Zwar hat die Qualität von CityNightLine (die jetzt eigentlich City Night Line heisst und zur DB gehört) etwas an der Qualität nachgelassen – die Gründe sind in der letzten Klammer zu suchen. Das Frühstück, welches mal aus Brötchen, Butter und Marmelade bestand, musste einem süssen komischen Brötli und anderem Zeugs weichen – fast alles süss. Geschmeckt hats nicht. Inzwischen gibt es glaube ich wieder was Brauchbares. Aber auch fehlende oder defekte Speisewagen sind immer mal wieder an der Tagesordnung – oder vielleicht hatte ich nur zu oft Pech.
Auch diesen Frühling (über Pfingsten) stehen wieder zwei Fahrten mit dem CNL an. Hamburg ist das Fahrziel.
Grundsätzlich aber ist die Fahrt mit dem CityNightLine (sorry, die Namensänderung fand ich sinnlos :p) einach eine super Sache. Bei mir läuft das immer so ab:
- ich komme früh auf den Bahnhof (Zürich, früher Basel). Dort verstaue ich mein Gepäck meist noch rasch in einem Schliessfach und schlender durchs RailCity. Es muss noch etwas Verpflegung oder noch eine gute DVD oder ein Buch her.
- Etwa 20 Minuten vor Abfahrt gehe ich zum Gleis. Dann sollte etwa der Zug einfahren. Ich steige ein, suche mir mein Abteil, richte mich ein (Gepäck verstauen, das ‘Handgepäck’, welches ich für die Nacht brauche hervornehmen, Tickets und andere wichtige Sachen am richtigen Ort verstauen.
- Dann warte ich auf dem Perron oder im Wagen auf die Abfahrt des Zuges. Anschliessend geht es ins Abteil. Der Zugbegleiter holt Tickets und ID (ich fahre grundsätzlich immer im 6er Liegewagen) ab.
- Ich rede noch etwas mit den anderen Abteilgenossinnen und genossen (sofern schon vorhanden und in Gesprächlaune) und verziehe mich dann mit einem Buch in den Speisewagen (sofern vorhanden).
- Es ist ein Ritual: bei jeder Fahrt im CNL leiste ich mir ein Abendessen im Speisewagen. Die Preise sind nicht die Tiefsten, für den Zug sind sie aber in Ordnung. Nach einer Stunde sind wir in Basel, dort hab ich meistens fertig gegessen.
- Ich verziehe mich in den Ruhesesselwagen. In der Regel hat es dort genug freie Plätze um mich hinzusetzen, mein Buch weiterzulesen oder den Laptop aufzuklappen.
- Zwischendurch steige ich an Bahnhöfen rasch aus und vertretem mir die Füsse.
- Zwischen Mitternacht und 2 Uhr geht es dann ins Abteil für ein paar Stunden Schlaf.
Das Frühstück am Morgen geniesse ich übrigens selten im Zug. Ich nehme mir lieber im Zielbahnhof etwas Zeit um etwas zu essen. Je nach geplanter Weiterreise.
Was die Fahrt mit dem CNL so besonders macht, ist die Atmosphäre. Die verschiedenen Leute, mit denen man viel eher ins Gespräch kommt, als wenn man mit dem ICE fährt. Auch im Speisewagen trifft man viel schneller auf interessante Leute. Die meisten sind hier auch viel entspannter. Man muss nicht auf Anschlüsse und Termine hetzen. Man hat die Nacht einfach Zeit und Ruhe.
Ich fahre immer im Liegewagen – sofern möglich. Der Ruhesesselwagen ist zu wenig gemütlich zum schlafen und wenn der Wagen voll ist, ist es sehr anstrengend. Der Geräuschpegel könnte hoch sein. Da ist der Liegewagen perfekt und preislich ganz okay. Optimalerweise schläft man oben (sofern man es mag). Man hat am meisten Platz für den Kopf und zusätzlichen Stauraum, auf den man jederzeit Zugriff hat. Einmal habe ich in der Mitte geschlafen. Das war einfach nur nervig.
Schlafen kann man im Liegewagen auch. Die Liegen sind zwar nicht superweich, aber man schläft nach etwas Eingewöhnung relativ gut darauf. Ein Kissen und eine Art Decke gibt es auch dazu. Da es im Abteil sowieso relativ warm wird, ist die Temperatur eh kaum ein Problem.
Wer den Liegewagen nicht mag, der kann auch in ein 2er oder Singleabteil (Standard oder Deluxe). Diese sind dann aber etliches teurer.
Optimalerweise bucht man eine Fahrt im CNL frühzeitig. Gerade an Wochenende und an Feier- und Ferientagen sind die Züge rasch ausgebucht und die gewünschten Plätze nicht mehr erhältlich. Zudem hat der CityNightLine auch einen Sparpreis. Die kontingentierten Tickets sind massiv günstiger und können ab drei Monaten im voraus gebucht werden (Umtausch und Annulierung ausgeschlossen). Wer weiss, dass er ganz sicher an diesem Datum fahren wird, sollte sich das nicht entgehen lassen. Auch sonst sollte man unbedingt schauen, dass man vergünstigt reisen kann, denn ansonsten ist der CNL relativ teuer. Wer also möglichst billig davonkommen will, schaut entweder nach Sparpreisen oder fliegt. Aber der CNL ist halt einfach viel angenehmer und stressfreier als ein Flug
Damit wären wir bei einem weiteren Grund, warum ich den CityNightLine mag: die Stressfreiheit. Am Abend einsteigen und am morgen bin ich da. Zudem verliere ich keinen Tag. Die Züge kommen eigentlich nie später als 9 Uhr an (ausser bei sehr langen Fahrten, z.B. Richtung Nordsee, da kann es mal 10 oder 11 Uhr werden).
Übrigens: CNL Züge sind in der Regel sehr pünktlich (bisher hatte noch nie einer meiner CNL Verspätung). Vielleicht liegt das auch daran, dass die Züge genug Zeit haben für die Strecke. Soweit mir bekannt ist haben die CNL zwischen dem letzten Stop zum Einstieg und dem ersten Stop zum Ausstieg keinen fixen Fahrplan. So werden z.B. Transitgüterzüge mal vorbeigelassen und der CNL steht eine Viertelstunde irgendwo im Nirgendwo, bevor er weiterfahren darf. Aber er hat genug Zeit, denn der Zug fährt nicht so schnell wie ein ICE
. Der CNL wartet übrigens an den Abfahrtsbahnhöfen in der Regal auch alle Anschlüse ab. In Basel hat der Zug auch schonmal eine halbe Stunde gewartet, weil ein Anschlusszug so extrem verspätet war. Am morgen waren wir aber dennoch pünktlich am Ziel.
Alles in Allem: die Fahrt mi dem CityNightLine ist angenehm, macht Spass, ist stressfrei und man spart einen Reisetag. Wer zudem früh bucht, kommt auch preislich ganz gut davon.
p.S: Derzeit gibt es eine Frühlingsaktion: Hin- und Rückfahrt mit dem CNL buchen, aber nur die Hinfahrt bezahlen. So bin ich auch knapp 4 Wochen vor meiner Reise in Richtung Hamburg noch an günstige Tickets gekommen
Euer
Chris



Mo, Mai 3, 2010
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